Alles Geschichte?

in Memoriam meiner SED-Mitgliedschaft

Klingt komisch. Das soll es auch – zumindest ein wenig. Oftmals frage ich mich, wie andere Meinesgleichen sich im Nachdenken unseres unrechten Tuns fühlen. Nach nunmehr über 25 Jahren; also einem viertel Jahrhundert sollte man schon mit Abstand über Anstand, Unvermögen, Karrierismus, Verblödung, Feigheit, Offenheit, Ehrlichkeit, und auch Verrat reden können. Heutige Kreise außerhalb unseres ehemaligen politischen Hauses sehen dies mit Berechtigung locker und manche sahen in uns sowieso schon immer die Inkarnation des Bösen. Na und diese Kreise gab es wie uns allen bekannt früher wie heute zu Hauf.
Als ich 1967 in diese Partei eintrat hatte ich ein gutes; ja ein sehr gutes Gefühl. Ja; ich war umgeben von nicht wenigen gleichgesinnten Kollegen und es gab nicht wenige Momente von öffentlichen Wahrnehmungen, welche uns immer zu denken gaben. Heute schmunzelt man darüber, dass einmal eine FDJ-garde „West-tv-antennen“ umsägte. Klar; das gab es und warum auch nicht. Dabei war selbst diesem oder jenem schon klar, dass damit dem eigentlichen Sinn man nicht beikam. Worin lag der Sinn? Worin war beispielsweise der Sinn, den sozialistischen Wettbewerb zu entfachen? Wo war der Sinn für den Bau neuer Kulturstätten? Worin lag der Sinn von vielen neuen Bildungseinrichtungen? Worin lag der Sinn, uns mit dem Solidaritätsgedanken zu Cuba; zu vielen afrikanischen Staaten zu bekennen? Worin lag der Sinn, dass es eine Nationale Volksarmee gab? Wo war der Sinn dessen, was uns fundamental vom anderen Teil Deutschlands so unterschied? Und alles entstand in Parallelität dem diametral gegenüberliegenden anderen Deutschland.
Na klar höre ich Stimmen von ehemaligen Kollegen, aus denen nicht zu allem wehende Zustimmung sich fand. Es gab schon, so wie ich es verspürte, eigentümlicher Weise mehr kritische Stimmen und wachsende Unzufriedenheit erst nach dem die Parteiführung mehr Wohlstand; mehr Lebensqualität verkündete. Selbst sind mir diese Entwicklungen besonders deutlich geworden, als ich mich mal zeitweise für politisches Wirken gehaltsmäßig entlohnen ließ. Nein; es gab für mich kein Einknicken in meiner Haltung, auch wenn ich Funktionären wissen ließ, dass ich gewisse Erscheinungen nicht mittrage. Was ich allerdings auch noch deutlicher empfand war eine gewisse beginnende innerliche Erosion in der SED. Na und dies konnte wohl auch nur darauf hindeuten, dass es allgemeine Unzufriedenheit nicht nur außerhalb sondern auch in der SED gab. Die Entwicklungen in Europa und der Welt konnten nicht an uns spurlos vorüber gehen. Den viel zitierten eisernen Vorhang hat es nie richtig gegeben. Gibt es doch diesen selbst heute zu Nordkorea ebenso wenig wie die USA sich gar nicht wirklich heute gegen Cuba sträuben. Wenn man es wissen wollte; als SED-ler konnte man sich diese Antworten alle selber geben; sofern; ja sofern man mit Leib und Seele von den Ideen eingenommen war, was uns wirklich ausmachte. Viel gepriesen wurden unsere politischen ideologischen festen Positionen. Der historische und dialektische Materialismus als Kern der wissenschaftlichen Weltanschauung wurde schon ganz gern bei Bedarf auch mal etwas zu recht gebogen. Schon 1978-79 gab es für mich an konkreten Erinnerungen; sichtbare Beispiele dafür, wie die materielle, machtpolitische persönliche Haltung sogenannter Kommunisten uns jeden Tag, Tag für Tag dem eigentlichen Anspruch schadeten. Erinnerungswürdig für mich sind persönlich einige Beispiele von Funktionären in Wirtschaft wie auch der SED in verschiedensten Ebenen. Mit nicht wenigen von Ihnen geht man ja nun im Alltag auch heute miteinander um. Einzelnen nehme ich lediglich krumm, das sie in ihrem persönliche Wesen wankend je nach dem Wetterhahn die Fahne immer im Wind weiterhin sichtbar für jedermann gesinnungslos sich behaupten. So und nicht mehr und auch nicht weniger sieht es auch im westlichen Teil eines „Saubermann-Staates“ wohl aus, der vom ersten Tag seines Bestehens seine politische Bestimmung wie es meine Republik hatte.
Und da kommt einer daher und profiliert sich auf Kosten meiner „unrechten Lebensweise“, um ein Ministergehalt zu kassieren von einer Gesellschaft, welche Faschismus; Ausbeutung, Kolonialisierung, Kreuzigung der sogenannten Meinungsfreiheit und einer Kriegspolitik den Hofstaat macht? Und das wird aus der obersten Riege meiner Nachfahrenschaft auch noch gepriesen?
Und solche meinen, mir nachsagen zu können; ich hätte Unrecht getan?
Nein; verehrter Kollege; so einfach ist das nicht mit allen zu machen! Zwar lassen sich genügend linke Kräfte von solchen Reformisten vereinnahmen und meinen, es wäre ja alles halb so wild. Man könne ja etwas relativieren. Wie schon in der Geschichte der Arbeiterklasse und arbeitenden Massen hat sich gezeigt, dass sich nicht alle für eine solche Entwicklung verbiegen werden. Namen von Persönlichkeiten sind jenen bestens bekannt und schmücken sich auch noch mit Ihnen.
Ich sehe ja ein, dass mit Theater-Auftritten einigen ein gut dotierter Job besorgt werden kann. Dem historischem Erbe des Kampfes der Massen um ein in Frieden und Freundschaft geführten Lebens der Völker (oder Regionen) werden Sie mit Ihrem Wirken höchstens insofern gerecht, dass sie sich den bekannten politischen Kreisen nähern, welche schon 1933 den Futtertrog vorzogen, Stiefel trugen und ansonsten bis heute dem Grundübel die Stange halten.
Ein Blick zurück in die jüngere Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung wird noch gestattet?
Bekanntlich machte die SED von Anfang einen gemeinsam gewollten Spagat. Ob man es nun war haben möchte oder nicht. Und so hat sich damals etwas zusammengetan, was eigentlich zusammen gehörte (ja; ja; gewisse Wortfloskeln sind frei verwendbar). Vielleicht gehörte es wohl doch nicht in der Weise zusammen? Aus den heutigen Entwicklungen kommt eine unbequeme Überlegung daher und es sei die Frage erlaubt, ob historisch die Vereinigung von SPD und KPD damals tatsächlich die alleinige Möglichkeit für einen Erfolg gewesen sei und so auch heute in einer seltsamen Symbiose versucht wird, dies fortzuführen. Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit. Das relative spannungsfreie Agieren einer 3.Millionen-Mitgliederpartei über 4 Jahrzehnte funktionierte nur im Wissen der Sicherheit von außen. Wissende wissen, in welchem Zusammenhang ich dies meine. Einer gewissen Logik kann man sich fast nicht entziehen, ist die arbeitende Masse doch keine homogene. Erste Ansätze machen mich hoffnungsvoll, scheint sich irgendwann Spreu von Weizen doch zu trennen. Nein; das Argument von Spaltung hat sich längst mit dem selbstgewählten Weg erübrigt und man sollte nun nicht schmollen. Selbst Gegner des Fortschritts propagieren; Einheitsgebräu verschiedenster Strömungen in einer Partei läuft nicht gut. Es besteht eine sehr gute Chance, dass sich eine Partei „Die Linke“ mit der DKP gut vertragen könnte, wenn; ja wenn ……. Tun wir etwas dafür, anstatt sie den Spezialdemokraten zu überlassen. Ansätze sind lebendig erkennbar. Na klar; auch Gysi will mehr regieren, statt opponieren. Weil; das mit dem Mist kennen Sie ja.
Immerhin; die Deutsche Demokratische Republik erreichte 40 Jahre. Es hätten auch weitaus weniger sein können. Und es hätte sie in dieser Form nie gegeben, hätten jene (die gleichen heute) nicht den ersten und den zweiten großen Krieg angezettelt. Nun so darf man ihr historisch schon eine Träne nachweinen; wiederhaben möchte ich sie aber nun in der Form auch nicht; aber in neuer Qualität für ganz Deutschland und darüber hinaus.
Es gilt denen entschieden entgegen zu treten, welche den sozialen Unfrieden zwischen den Völkern täglich sähen und den Krieg wieder als Mittel zum Zweck, Lösung von Krisen wie wiederum in der erneuten Neuaufteilung von Ressourcen betrachten.

Bei voller Ernsthaftigkeit in der Wahrnehmung solcher Entwicklungen bliebe wenig Zeit zum Regieren in dieser Republik; nicht wahr Genossen!

eigenes gewolltes Erlebtes

Auf der Seite „über mich“ war mir zunächst das wichtig, was sie fanden. Sie sind weiter neugierig? Nun, das setzt Sie nicht in ein Unrechtsempfinden; ich mich auch nicht. Und weil ich mich nicht im Unrecht fühlte war ich seit 1967 mit der „unrechts-gearteten“ Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ organisatorisch verbunden. Klar war ich wie unsere Kanzlerin auch vordem in der FDJ und vordem in der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“. Mit anderen Worten; die Muttermilch war noch nicht erkaltet wurde der Geist in mir geprägt.
Meine Mitgliedschaft zur SED nahm Form an, da ich Inhalt des Statuts und Programms begrüßte und auch heute nicht als falsch verstehe. Damit hatte ich beste Voraussetzung wie andere es sehen mögen, für eine mögliche SED-Kariere geschaffen; ob ich wollte oder nicht.
Ach ja; Meine Einkommensgrundlage war durch meine Tätigkeit als Produktionsarbeiter im Leistungslohn gewährleistet.